Pflanzliche Binde- und Geliermittel

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Desserts wie Rote Grütze, Wackelpudding oder Cremespeisen dickten die meisten bislang mit Gelatine an, ebenso Konfitüren und diverse Sahne- oder Obsttorten. In letzter Zeit ist das Geliermittel, das aus Tierhäuten, -knochen und -knorpel hergestellt wird, ins Abseits geraten. Immer mehr Menschen suchen nach Alternativen zu herkömmlichen Geliermitteln wie Gelatine oder zu Verdickungs- und Bindemitteln. Es gibt eine ganze Reihe an pflanzlichen Alternativen. Hiermit wollen wir Ihnen einige Hinweise geben, was es für Alternativen gibt und wie diese Anzuwenden sind.

Geliermittel

Agar-Agar

An erster Stelle steht hier Agar-Agar. Es ist ein rein pflanzliches Geliermittel, das aus getrockneten Meeresalgen, verschiedenen Rotalgenarten, gewonnen wird. Man findet Agar-Agar gelegentlich auch als Ceylontang oder japanischen Fischleim. Öffnet man ein Päckchen ist zwar ein leichter Geruch nach Meerwasser wahrnehmbar, dieser verfliegt aber sofort bei der weiteren Zubereitung. In verarbeiteten Lebensmitteln enthaltenes Agar-Agar wird mit E 406 gekennzeichnet.

Agar-Agar eignet sich für Nachspeisen, Cremes und Tortenguss oder Gelees und Konfitüren. Es ist als Pulver, Flocken, Stangen, in Streifen oder als Blätter im Handel. In Reformhäusern und in Bioläden ist es jedoch meist nur als Pulver erhältlich.

Mit diesem natürlichen Geliermittel kann fast jede Speise zubereitet werden, für die man ansonsten Gelatine benutzt. Nachspeisen, bei denen Ananas oder Kiwi verwendet wird gelieren übrigens nur mit Agar-Agar, da ihre spezifischen Enzyme andere Geliermittel nur lösen würden. Dabei gilt als grobe Orientierungshilfe: 6 Blatt Gelatine entsprechen einem 3/4 TL Agar-Agar. Zu beachten ist dabei, dass alle Produkte, die von verschiedenen Firmen angeboten werden, etwas unterschiedlich in ihrer Gelierwirkung sind. Man sollte also genau die Packungsanweisung befolgen.

Als grobe Faustregel gilt:

1 TL Agar-Agar für 750 ml Flüssigkeit
3/4 TL Agar-Agar für 500 ml Flüssigkeit
1/4 TL Agar-Agar für 200 ml Flüssigkeit

Agar-Agar enthält reichlich Ballast- und Mineralstoffe, besonders viel Eisen. Es ist jedoch gleichzeitig nahezu kalorienfrei und geschmacksneutral. Es benötigt keinen Zucker, um zu gelieren, ist also ideal für alle, die alternative Süßungsmittel verwenden oder Zucker reduzieren möchten. Der Geliervorgang beginnt bereits nach wenigen Minuten Kochzeit. Wertvolle Vitamine und Mineralstoffe werden dadurch nicht zerkocht.
Agar-Agar kann mehrmals aufgekocht werden und geliert immer wieder neu. Gerät also eine Nachspeise zu fest, kann man Flüssigkeit dazugeben und das Ganze erneut aufkochen, während man bei einem Dessert, das zu weich ist, mehr Agar-Agar dazugeben kann, um die Konsistenz zu korrigieren.

Damit Agar-Agar geliert, muss es aufgekocht werden. Es eignet sich deshalb nicht für die Zubereitung von Süßspeisen. die nicht erhitzt werden dürfen. Bei besonders sauren Früchten kann Agar-Agar nicht verwendet werden, denn bei zuviel Säure verliert es seine Gelierwirkung. Außerdem sollte beachtet werden, dass Agar-Agar als leichtes Abführmittel wirken kann.

Beispiel Gelee für Obstkuchen:

5 EL Fruchtsaft mit Agar-Agar verrühren. Den restlichen Fruchtsaft erhitzen. Agar-Agar unterrühren und wenige Minuten aufkochen. Lässt man die Masse abkühlen, beginnt der Geliervorgang. Menge siehe oben.

Pektin

Auch bei Pektin handelt es sich um einen pflanzlichen Gelierstoff. Er wird vor allem aus getrocknetem Apfeltrester und Zitronen gewonnen, ist aber auch in der Zuckerrübe, Himbeeren, Johannisbeeren, Quitten und anderen Früchten enthalten. Meist ist es in reiner Form, z. B. als Apfelpektin, erhältlich. Pektin hat als Lebensmittelzusatzstoff die Bezeichnung E 440a oder E 440b. man bekommt Pektin in Pulverform oder auch flüssig zu kaufen. Mit Pektin kann man Marmelade und Gelee herstellen. Außerdem eignet es sich für die Zubereitung von Speiseeis, Tortenguss und für Sättigungsdrinks. Pektin ist reich an Ballaststoffen, jedoch nahezu kalorienfrei. Es fördert das Sättigungsgefühl und regt die Darmtätigkeit an.

Bei der Zubereitung von Marmelade können alternative Süßungsmittel wie Rohrohrzucker, Fruchtdicksaft oder Honig verwendet werden. Außerdem kann man den Grad der Süße selbst bestimmen. Wer seine Marmelade mit Hilfe von Pektin einkocht, muss die Früchte nicht lange kochen lassen, bis der Geliervorgang beginnt. Wertvolle Vitamine bleiben erhalten. Für das Einkochen von Marmelade verwendet man: 15 g Pektin für 1 kg Früchte. Ebenso wie Agar-Agar kann Pektin nicht kalt angewendet werden.

Anwendungsbeispiel Tortenguss:

Etwa 100 ml Obstsaft mit etwas Zitronensaft mischen und auf Wunsch süßen. Masse zum Kochen bringen und etwa 4 g Apfelpektin einrühren. Gleichmäßig auf dem Kuchen verteilen.

Bindemittel

Johannisbrotkernmehl

Johannisbrotkernmehl wird aus den Früchten des Johannisbrotbaumes gewonnen, die auch das "Karob" liefern. Im Naturkostladen als Johannisbrotkernmehl, im Reformhaus unter dem Namen Biobin erhältlich.
Möglichkeiten zur Verwendung Johannisbrotkernmehl wird zum Binden von Suppen, Soßen, Dressings, Desserts und Süßspeisen verwendet. Außerdem kann durch die Zugabe von Johannisbrotkernmehl die Konsistenz von Tortenguss verbessert werden und Backwaren werden schön locker.
  • 1 g Johannisbrotkernmehl für 100 ml kalte Flüssigkeit
  • 1 g Johannisbrotkernmehl für 200 ml warme Flüssigkeit
  • 2 g Johannisbrotkernmehl für 500 g Dessert
Johannisbrotkernmehl eignet sich zum Binden als Ersatz für Mehl, Stärke oder Eigelb in Saucen, Suppen, Mayonnaisen etc.. Es enthält kaum Kalorien. Für seine Verwendung muss die Speise nicht noch einmal aufgekocht werden. Johannisbrotkernmehl ist geschmacksneutral.

Binden von kalten Flüssigkeiten:

Johannisbrotkernmehl in kalte Flüssigkeit einrühren und etwa 10-15 Minuten quellen lassen.

Pfeilwurzelmehl

Das Pfeilwurzelmehl, auch als Marantamehl bezeichnet, wird den Wurzeln der Marantapflanze, einer tropischen Knollenpflanze, gewonnen. Es kann vielseitig verwendet werden.
Natürlich eignet es sich zum Binden von Suppen, Soßen und Aufläufen, Gelees, Konfitüren und Grützen. Mit Wasser vermischt kann es auch als Paniermehl Eier und Milch ersetzen. Außerdem bindet Pfeilwurzelmehl den Brotteig in glutenfrei zubereiteten Broten.
  • 1-2 TL Pfeilwurzelmehl für 250 ml Flüssigkeit
Pfeilwurzelmehl hat keinen negativen Beigeschmack, ist geruchlos und trübt die zubereiteten Speisen nicht.
Es ist rein pflanzlich, gluten- und cholesterinfrei. Leicht verdaulich schont es den Magen.

Beispiel Soßenbinden:

Pfeilwurzelmehl in kaltem Wasser auflösen und in die erwärmte Soße einrühren. Einige Minuten köcheln lassen.

Kuzu

Kudzu/Kuzu oder Kopon wird aus den Wurzeln eines in Japan und China beheimateten Leguminosengewächses gewonnen. Seine Wurzeln erreichen eine Länge von bis zu zwei Metern und wiegen um die 100 Kilo. Das Stärkemehl wird aus den getrockneten und pulverisierten Wurzeln gewonnen. Kudzu bindet doppelt so gut wie Pfeilwurzmehl. Kuzu ist geschmacksneutral und beeinflusst weder Geschmack noch Aussehen des zubereiteten Gerichts. Es wirkt sich positiv auf die Verdauung aus. Kuzu wird in der fernöstlichen Medizin eine Heilwirkung zugesprochen. Es enthält viele Vitamine und Mineralstoffe. Kuzu gilt als das gesundheitlich wertvollste Bindemittel.

Es wird zum Binden von Suppen, Soßen, Süßspeisen, Tortenfüllungen aber auch Saucen, Suppen und Eintöpfen verwendet. Außerdem kann man es als Panade zu Frittiergut nehmen.
Kudzu ist in asiatichen Lebensmittelgeschäften erhältlich.

Soßenbinden:

Wird ebenso wie Pfeilwurzelmehl in kaltem Wasser angerührt, in die Soße gegeben und aufgekocht.
  • 1 TL Kuzu für 500 ml Suppe

Sago

Sago (Perlsago) kennt wohl fast jeder. Es ist ein Stärkeerzeugnis in Form kleiner Körnchen. Wird aus dem stärkereichen Mark verschiedener Pflanzenarten gewonnen. Sago quillt in heißer Flüssigkeit etwa um das Dreifache auf und wird glasig. Beim Abkühlen wirkt er stark bindend. Gut geeignet zum Andicken von Puddings, Grützen, Kaltschalen oder Suppen und Brühen.

Sagosuppe:

40 g Sago in die kochende Brühe einlaufen lassen und kochen lassen, bis die Körner groß und durchsichtig sind.

Kichererbsenmehl

Kichererbsenmehl lässt sich ebenfalls zum Binden verwenden. Muss in heißem Wasser aufgelöst (etwa einen Esslöffel auf 100 Milliliter Wasser), dann eingerührt und aufgekocht werden. Das glutenfreie Kichererbsenmehl bindet Soßen und Suppen. Es schmeckt leicht nussig.

Maisstärke

Maisstärke eignet sich zum Binden von Soßen, Suppen, Puddings und Cremes. Stärke dazu in kalter Flüssigkeit anrühren, dann in die heiße Flüssigkeit geben und kurz aufkochen lassen. Maisstärke ist glutenfrei.

Quelle: Chefkoch
Bildquelle: flickr Rev Dan Catt